Von Menschen, Affen und Personen

Volker Sommer hat letzten Sommer bereits im Cicero ein wunderbares Interview gegeben. Er spricht die klare Sprache eines Wissenschaftlers, der für seine Überzeugungen kämpft um eine bessere Welt zu schaffen. Inspirierend und erkenntnisreich. Eine Kostprobe:

Menschenaffen sind mit Bewusstsein und menschenähnlicher Leidensfähigkeit ausgestattet und können sich überdies vermutlich in andere Wesen hineinversetzen und in die Zukunft denken. Deshalb sollen Große Menschenaffen nicht mehr wie bisher als ‚Eigentum‘ gelten dürfen (das ausgebeutet, verkauft und getötet werden kann), sondern als Personen. Sollte die Initiative eine Gesetzesänderung erwirken können, würden ihre rechtlichen Belange von Fürsprechern vertreten werden – wie dies der Fall ist für Menschen, die nicht für sich selbst sprechen können, etwa Säuglinge oder Demenzkranke. Schießt die Initiative übers Ziel hinaus? Solche Skepsis kennen wir seit Jahrhunderten. Durchaus nicht unwahrscheinlich, dass unsere Nachfahren in hundert Jahren dem Speziesismus unserer Tage mit der gleichen Fassungslosigkeit begegnen werden, mit der politisch und ethisch progressive Zeitgenossen heute religiösen Fundamentalismus, Rassismus, Nationalismus, Sexismus und Heterosexismus betrachten.

Gegen Ende noch findet er sich in einer Situation, in der sich schon so mancher von uns befunden hat. Nachdem Timo Stein vom Cicero eine Reihe von Fragen stellt, die er als praktische Einwände gegen seinen Vorschlag vorbringt, entgegnet Sommer pointiert:

Was Ihre Frage aber eigentlich beabsichtigt, ist, die Grundrechte-Initiative ad absurdum führen zu wollen. Das ist ein beliebtes Mittel reaktionärer Kräfte, die sich an Details aufhängen. Nur weil man vielleicht nicht auf jede denkbare Situation eine Standardantwort hat, bedeutet das noch lange nicht, dass die gesamte Vision hinfällig wäre.

Wie wir mit unseren Artverwandten (und übrigens auch den anderen Lebewesen) umgehen ist mehr oder weniger skandalös. Dass wir etwas unternehmen müssen ist unbestreitbar. Was genau zu tun ist, ist schwieriger zu beantworten. Die Diskussion aber ist in vollem Gange und wir sollten uns daran beteiligen.

Veröffentlicht von

Kassierer, Öffentlichkeitsarbeit