Turing

Alan Turing

Alan Turing

Alan Turing, einer der bedeutendsten Informatiker des letzten Jahrhunderts, wurde zu Weihnachten von Queen Elisabeth II. posthum begnadigt. Er hat sich vor 59 Jahren, nachdem er wegen »homosexueller Aktivitäten« verurteilt und chemisch kastriert wurde, selbst getötet.

Noch keine 60 Jahre ist es her, dass es an der Tagesordnung war, Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung strafrechtlich zu verurteilen. Das war in einem Staat wie Großbritannien, mitten in Europa möglich. In Deutschland hat es nach der Wiedervereinigung bis zum Jahr 1994 gedauert, bis einer strafrechtlichen Diskriminierung Homosexueller durch die Abschaffung des § 175 StGB ein Ende gesetzt wurde. Und das obwohl bereits 1898 August Bebel als Unterzeichner der ersten Petition des Wissenschaftlich-humanitären Komitees für die Abschaffung des § 175 eingetreten ist.

Erst die rot-grüne Bundesregierung hat jedoch durch die Einführung des Lebenspartnerschaftsgesetzes und der wesentlichen Vorbereitung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes einen empörenden gesellschaftlichen Zustand gesetzlich korrigiert.

Noch ist allerdings viel zu tun, um die rechtliche Diskriminierung Homosexueller ganz abzuschaffen. Es muss endlich möglich sein, dass Lebenspartner_innen gemeinsam Kinder adoptieren. Ebenso muss es allen Menschen möglich sein, die Ehe zu schließen. Es ist eine Farce und nichts als eine weitere Form gesetzlicher Diskriminierung, Homosexuellen die Eheschließung zu verweigern und sie auf das Lebenspartnerschaftsgesetz zu verweisen.

Die Rechtsfolgen beider Verträge, Ehe und Lebenspartnerschaft, sind faktisch dieselben. Angefangen vom gesetzlichen Güterstand über die (Trennungs-) Unterhaltsregeln bis hin zum Versorgungsausgleich übernehmen Lebenspartner_innen untereinander genauso viel Verantwortung wie Eheleute. Vielleicht wird die Absurdität der gesetzlichen Lage erst dann deutlich, wenn man das Lebenspartnerschaftsgesetz auch für Partner_innen unterschiedlichen Geschlechts öffnet. Es ist im Grunde ein Ausdruck der Solidarität mit den Betroffenen und Opposition zu verkrusteten, intoleranten Strukturen, sich dafür einzusetzen, dass alle Menschen die Möglichkeit bekommen, eine Lebenspartnerschaft zu vereinbaren.

Wenn unsere Gesellschaft nicht in der Lage ist, eine etablierte Institution wie die Ehe diskriminierungsfrei für alle Menschen zu öffnen, muss es eine unvorbelastete Alternative geben. Diese Alternative kann der diskriminierungsfreie Zugang zur Lebenspartnerschaft auch für Menschen unterschiedlichen Geschlechts sein. Ein Zugang unabhängig von sexueller Orientierung.

Veröffentlicht von

Kassierer, Öffentlichkeitsarbeit